Sonntag, 13. März 2016

Matchrace - warum nicht mal mit der RG?

Hallo,
Seit eingen Jahren bemühe ich mich – sofern das Wetter mitspielt und das Wasser rechtzeitig wieder flüssig ist – den Saisonauftakt für die RG65 mit einer Ranglistenregatta bei der Baltischen Seglervereinigung auf dem Berliner Wannsee durchzuführen. Meist war dies auch der Auftakt für den jährlichen RegioCup Ost. Es gab aber in der letzten Zeit einige Unruhe in der RG65 Klasse, ausgelöst durch die Information, dass die RG65 IRSA Status bekommen soll und damit unter die Fittiche des DSV gerät. Anstatt gemeinsam proaktiv einen derartigen Schritt zu gestalten und vorzubereiten, wurde leider sehr viel Porzellan zerschlagen und die Stimmung in der Community ist - sagen wir mal - teilweise etwas gedrückt.   

Irgendwie hatte ich nach den Ereignissen des letzten Jahres dadurch keine Lust, die Veranstaltung  nach Schema F durchzuziehen. Stattdessen wollte ich einmal etwas völlig neues ausprobieren. Warum immer stur im Pulk um die Tonnen hetzen bis die Finger abfallen oder der Wind wegbleibt? Da poppte die Idee hoch, einmal ein Matchrace zu probieren. Gute Idee - aber niemand hatte Erfahrung mit so etwas. Also habe ich die Eisbrecherregatta 2016 kurzerhand umfunktioniert: Keine Ausschreibung, sondern ein kleiner, handverlesener Teilnehmerkreis, Fleetrace am Vormittag als Ausscheidungsregatta, Endrunde nachmittags als Matchrace im KO-System und das Ganze ausdrücklich als Experiment angekündigt.



Dial-up vor dem Start - Andy Hoffmann (GER 120) im Duell mit Jens Amenda (GER 1124)
Gestern ging der Event nun über die Bühne, und - ein Fehlschlag war es nicht! Es lief noch nicht alles rund und einige Dinge werde ich beim nächsten Mal sicher anders machen, aber die Veranstaltung in dieser Form kam bei den Teilnehmern recht gut an. Das war erst einmal die Hauptsache. Ich möchte hier einmal kurz die Erfahrungen schildern.





1.) Wir haben mit den Einteilungsläufen am Vormittag um 11.00 begonnen. Wind war genug, so dass ich mit 8 Läufen gerechnet habe. Das war zu großzügig kalkuliert. Mit den üblichen Verzögerungen und einem normalen Kurs ist ein Lauf kaum unter 15 Min zu bewältigen. Ich habe auf 6 Läufe reduzieren müssen und bei den beiden letzten Runden sogar noch die Bahn verkürzt (keine Banane mehr). Die Mittagspause wurden dann zum Neuauslegen der Bahn und zum Rechnen genutzt. Witziges Ergebnis: Der erste Lauf hätte gereicht, bis auf einen Platztausch im Mittelfeld entsprach das Resultat nach den 6 Läufen exakt den Platzierungen des ersten Wertungslaufs.

2.) Während die Fleetraces, abgesehen von den beiden verkürzten Läufen, als Dreick-Banane abgesegelt worden waren, wurden die Matchraces als Up&Down gesegelt. Dabei gab es in Luv nur eine Tonne, in Lee dagegen ein Gate. Die Startline war für zwei Boote eigentlich etwas zu lang, das war aber ok - ganz so eng wie die Großen kann man ja mit den kleinen nicht fahren - obwohl es manchmal nahe dran war. Das Gate hatten wir zu breit gemacht. Es war ähnlich lang wie die Startlinie und es hätte eine Tonnne gereicht. Die zweite Tonne bot keine taktischen Vorteile. Das Gate muss beim nächsten Mal viel schmaler werden - viel mehr als 3 Bootslängen also ca 1.5 - 2m dürfen es nicht sein, eher weniger.

Manchmal war es fast so eng wie bei den Großen - Andreas Voigt (GER1111) bedrängt Carsten Perleberg (GER 104)


Für die Regeln haben wir eine gemäßigte Matchracevariante entworfen. Die beiden Teilnehmer segeln vor dem Start Bb bzw. Stb von der Bahn in Luv der Linie und dürfen erst eine Minute vor dem Start über die Linie von Luv nach Lee in den Startsektor einfahren. Dann gelten die normalen Wettfahrtregeln. Vor dem Start geschehene Regelverletzungen dürfen erst nach dem Start, aber dann irgendwann vor dem Zieldurchgang bereinigt werden. Ausstehende Penalties können durch einen Penalty des Gegners kompensiert werden.

3.) Die Wettfahrten wurden alle an den Tonnen oder sogar bei Start schon entschieden. Hier muss man einen gesunden Kompromiss bei der Kurslänge finden, aber hier gehen die Meinungen noch auseinander. Mir war der Kurs eher zu kurz - wir sind nach den Erfahrungen der Ausscheidungsläufe aber auch nur eine Runde gesegelt - anderen war er zu lang. Etwas kürzer und dafür zwei Runden ist im Moment mein Ansatz für das nächste Mal.

4.) Matchraces gehen verdammt schnell. Die üblichen Verzögerungen, bis man alle Teilnehmer am Start hat, entfallen und die nächste Paarung steht schon in den Startlöchern, wenn der Lauf davor zu Ende ist. Es ging alles viel fixer als gedacht, aber es war auch gut so, denn am frühen Nachmittag wurde der Wind deutlich weniger.

5.) Action ist zwar die ganze Zeit, aber nicht für alle - und nicht alle Wettfahrten sind spannend. Wenn jemand an der Luvtonne hängenbleibt, ist die Spannung halt raus. Hier werden wir zumindest für das Viertel- und Halbfinale über Parallelkurse oder zwei Pärchen auf der Bahn nachdenken müssen.

6.) Das KO-System mit einem Lauf, der über das Weiterkommen entscheidet, ist hart. Aber für Serien "Best of 3/5/7 ..." fehlt die bei Eintagesveranstaltungen doch irgendwo die Zeit.  Das Finale haben wir als "Best of 3" gesegelt. Das war noch mal richtig spannend, die beiden Finalisten haben sich nichts geschenkt und alle drei Läufe gebraucht.

Spannung bei Zuschauern und Aktiven


Hinterher haben wir gemeinsam noch eine Weile diskutiert. Die Resonanz war für mich überraschend positiv, so dass ich das Experiment sicher fortsetzen werde.


Ach ja, ein Ergebnis gab es auch ...

Jens Amenda  (GER 1124) gewann vor Andreas Ebert (GER 275) und Andreas Voigt (GER 1111). Herzlichen Glückwunsch!
Das vollständige Ergebnis gibt es in den nächsten Tagen auf RC-Segeln-in-Berlin. Bitte habt noch etwas Geduld, ich muss die Fotos erst sichten.